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Tokio: Resümee des ersten Monats

Einmal um die halbe Welt: Für Ulrike ging es dieses Semester an die Sophia University in Japan. Neben alltäglichen Herausforderungen genießt die Chemie-Studentin einen außergewöhnlichen Auslandsaufenthalt, in dem es wirklich nie langweilig wird. 

„Tokio, ganz schön weit weg und noch dazu so ganz anders als Graz!“, bekam ich oft von meinen Eltern und Freunden zu hören, als ich ihnen von meinem Vorhaben erzählte, dieses Studienjahr im Ausland zu absolvieren. Es stimmt, damit hatten sie nicht unrecht, Tokio unterscheidet sich auf sämtlichen Ebenen von meiner Heimatstadt: Nicht nur ist es die Stadt mit der weltweit höchsten Einwohnerzahl, auch werden in Japan drei Schriftsysteme anstatt nur eines Alphabets verwendet und die Kultur ist auch eine ganz andere (wie sollte es auch anders sein, bei einer Stadt, die sich auf der anderen Seite der Erdkugel befindet).

Nichtsdestotrotz verspürte ich bei dem Gedanken dieses Jahr in so großer Entfernung von zu Hause zu verbringen kaum Nervosität, sondern zumeist nur Vorfreude. Als es dann aber wirklich losging und mein Koffer gepackt war, holte mich die Realität dann doch ein und ich schwankte ständig zwischen einem Gefühl von Unsicherheit, Verzagtheit, Spannung und Aufregung, angesichts der großen Unbekannten, die mich bei meiner Ankunft erwarten würde. Heute ist der 18. Oktober, also genau ein Monat nach meiner Ankunft am Flughafen Narita in Tokio: Der Text beschreibt den  Prozess des Zurechtlegens eines neuen Alltags und die vielen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die diese Großstadt mit dem kleinen gemütlichen Graz aufweist.

Ein großer Schritt für mich, ein kleiner Schritt für die Menschheit!

Was mich am meisten verwundert ist, dass das Gefühl von großer Entfernung von meiner Heimat bisher vollkommen ausblieb. Und das obwohl der Flug, von Warschau ausgehend, um die 14 Stunden gedauert hat. Vielleicht lag es daran, dass ich diese 14 Stunden die meiste Zeit damit beschäftigt war, den Wechsel der Landschaften aus dem Fenster zu bestaunen, mich durch die Filmauswahl an Bord zu stöbern und vor allem zu schlafen. Als dann endlich das Flugzeug in seiner Landeposition angelangt war, betrat ich zum ersten Mal japanischen Boden. Ein großer Schritt für mich, ein kleiner Schritt für die Menschheit!

Über Nacht zur Analphabetin

In diesem Moment fühlte ich mich, trotz des langen Fluges, ausgeruht und zufrieden. Jedoch wusste ich noch nicht, dass der schwierigste Teil der Reise noch bevorstehen würde: Die Odyssee vom Flughafen zum Studentenheim, in dem ich wohnen würde. Für diese Strecke waren laut Google-Maps 2 Stunden U-Bahn Fahrt einzuplanen. Ich war 4 Stunden unterwegs. Schuld daran waren aber nicht Verspätungen von der Seite der öffentlichen Verkehrsmittel (diese kamen alle auf die Minute genau), sondern vielmehr meine Unfähigkeit die Namen der Stationen zu lesen, da ich aufgrund des japanischen Schriftsystems über Nacht zur Analphabetin wurde. Zum Glück waren alle Japaner und Japanerinnen, die ich in meiner Verlorenheit nach Auskünften befragte, sehr hilfsbereit und stellten sicher, dass ich in den richtigen Zug einstieg, indem sie mich bis zu dessen Tür begleiteten.

Hallo, woher kommst du?

Im Studentenheim angekommen hatte ich das Glück, schon am nächsten Tag neue Freunde zu finden, mit denen ich nach wie vor die Abende nach der Uni im  Gemeinschaftsbereich des Studentenheims verbringe. Diese Bekanntschaft ergab sich auf natürliche Weise, durch ein einfaches: „Hallo, woher kommst du? War deine
Anreise auch so nervenaufreibend wie meine?“. Schon waren Pläne fürs Wochenende geschmiedet und Listen mit Dingen, die noch vor Uni-Start zu erledigen waren, erstellt. Auch sollten wir feststellen, dass Tokios U-Bahn System sehr übersichtlich ist, sobald man sich erst mal einen Überblick verschafft hat und eine japanische SIMKarte besitzt, mit der man nicht auf WLAN angewiesen ist, um eine Internetverbindung herstellen zu können.

Die Gruppe hatte sich nun also gebildet: Donald (aus Großbritannien), Shreyas und Brian (beide aus den USA), Franziska und Phillipp (beide aus Deutschland) und ich aus dem kleinen feinen Land der Berge. In den letzten Wochen haben wir einiges unternommen (Museen, Karaoke, Schreine und vieles mehr) und nicht selten kommen wir abends mit müden Beinen und voller neuer Eindrücke zurück in unser neues zu Hause. Und trotzdem schaffen wir es oft trotzdem nicht, vor ein Uhr morgens ins Bett zu kommen, da das Sofa im Gemeinschaftsbereich einfach zu verlockend ist und zu einer Runde Monopoly kann man einfach nicht nein sagen.

Volkssport Zugdösen

Natürlich werde ich jeden Morgen daran erinnert, dass eine Stunde mehr Schlaf wahrscheinlich gutgetan hätte, diese kann jedoch auch über den Tag verteilt in der U-Bahn nachgeholt werden. Auch ist das eine Möglichkeit sich zu integrieren und wie ein*e Einheimische*r zu fühlen, denn auf Zugfahrten einfach wegzudösen ist hier quasi ein Volkssport. Zudem ist es in den Zügen sehr leise und es wird aus Rücksicht auf die Schlafenden kaum geredet. Zu hören ist nur das Geräusch der Räder, die über die Gleise fahren. Dadurch wird auch die Rushhour erträglich, in der die U-Bahnen bereits bis zum Platzen voll sind und trotzdem Leute nicht aufhören zuzusteigen (bzw. von Aufsehern in den Zug gedrückt werden, damit dieser die Türen schließen kann).

Ein Spaghetti in der U-Bahn

Da die U-Bahn mein Hauptverkehrsmittel ist und ich jeden Morgen mit dieser 50 Minuten zur Sophia Universität fahre, habe ich mich mittlerweile schon daran gewöhnt als Spaghetti zusammengepresst diese wieder zu verlassen. Deswegen haben Franziska und ich beschlossen, schon eine Stunde vor Start der ersten  Unterrichtsstunde (9:00) am Campus anzukommen, da zu dieser Zeit die Züge noch nicht ganz so überladen sind und so Zeit für Frühstück im Unicafé bleibt. Zudem ist der Preis von 100 JPY (0.70 €) für ein Sandwich, gefüllt mit Spaghetti oder Schlagobers mit roter Bohnenpaste (mein Favorit) zusammen mit einem Becher Kaffee mehr als leistbar, um diese nette Gewohnheit zu einem Ritual zu machen.

500 Minuten Sprachkurs

Nach dem gemeinsamen Frühstück folgt in meinem Fall immer eine Einheit (100 Minuten) japanisch. Insgesamt finden pro Woche 500 Minuten Sprachkurs statt, was meinen Japanisch-Wortschatz in den letzten Wochen drastisch hat anwachsen lassen. Zudem bin ich froh, schon vor meiner Ankunft japanisch gelernt zu haben, da in diesem Anfängerkurs, den ich hier belege, mit hohem Tempo vorangeschritten wird und mein Wissen, auf das ich zurückgreifen kann, mit Sicherheit bald aufgebraucht sein wird. Jedoch sind die Sprachlehrer sehr nett und motiviert. Fehler zu machen ist kein Problem – ich freue mich also darauf, bald das dritte japanische Schriftsystem zu lernen: Kanji.

Auch die anderen Fächer, die ich auf der Sophia-Universität belege, sind sehr interessant und es macht mir deswegen nichts aus, fast jeden Tag bis zum späten Nachmittag am Campus zu verbringen. Obwohl es sich bei allen Kursen um Vorlesungen handelt ist, anders als an der Uni-Graz, Anwesenheit verpflichtend und deswegen ist das Gelände um die Gebäude der Sophia-Universität zu jeder Zeit sehr belebt. Freistunden verbringe ich meist in der Bibliothek, diese hat große Fenster und von meinem Lieblingsplatz im 8.Stock hat man eine großartige Aussicht auf Tokios Skyline.

Judo mit Einheimischen

Da die meisten Studierenden viel Zeit auf der Uni verbringen, sind außerschulische Aktivitäten wie die Teilnahme an einer der Sportklubs sehr beliebt, um Freistunden zu überbrücken und Zeit mit Freunden zu verbringen. Deswegen habe auch ich mich dazu entschieden einem Club beizutreten und Judo auszuprobieren. Das war wahrscheinlich eine meiner mutigsten Entscheidungen, da ich zuvor noch nie mit einer Kampfsportart zu tun hatte und Judo in Japan als Nationalsport sehr populär ist. Meine Aufnahme war sehr herzlich und alle Mitglieder sind sehr geduldig mit mir und nehmen Rücksicht, da ich noch viel lernen muss. Auch habe ich so die Möglichkeit Kontakte mit japanischen Studenten und Studentinnen zu knüpfen und so mehr über deren Alltag und Sichtweisen zu erfahren. Zurzeit beruht unser Austausch zwar noch zu einem großen Teil auf Hand-Fuß Gestik, dies gibt mir jedoch einen starken Anreiz die Landessprache zu lernen, um bald auch verbal effizienter kommunizieren zu können. Ich hoffe sehr, dass ich dazu am Ende dieses Studienjahres imstande sein werde.

Ein endloses Dorf

Zusammengefasst hat mich dieser Monat auf so vielen Ebenen überrascht, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll: Tokio gilt zwar als vibrierende Großstadt, sobald jedoch die U-Bahn 30 Minuten aus dem Zentrum entfernt ist, wird das Häusermeer flacher und die Hauseingänge der kleinen Wohnhäuser drängen sich in schmalen verwinkelten Straßen dicht an dicht, ohne bedrückend als vielmehr gemütlich zu wirken und man fühlt sich wie in einem nicht enden wollenden Dorf. Auch das Essen hat mich bis jetzt noch nie enttäuscht, obwohl durch Zufall ausgewählt, da Kanji-Symbole für mich nach wie vor nur hübsche Kalligrafie-Zeichnungen sind. Die vielen netten Leute und ihre Geschichten, die sie von zu Hause mitbringen und nicht zuletzt, wie schnell ich mich in meinem neuen Leben in „Weitweitweg“, alias Tokio, eingefunden habe, sind alles Ereignisse die mir einen sehr positiven Start in dieses Jahr ermöglicht haben.

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